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Anleitung · Büro

Luftreiniger fürs Großraumbüro: Leistung und Geräteanzahl berechnen

Aktualisiert: Oktober 2026 · Lesezeit: 8 Min.

Wer für ein Großraumbüro, einen Teamraum oder eine offene Gewerbefläche einen Luftreiniger sucht, scheitert selten an der Modellwahl, sondern an der Frage davor: Wie viel Leistung braucht die Fläche überhaupt – und reicht dafür ein Gerät? Die Herstellerangabe „geeignet bis 50 m²“ hilft dabei kaum, weil sie weder Deckenhöhe noch Luftwechsel nennt. Diese Anleitung zeigt den Rechenweg in drei Schritten, rechnet zwei Beispielräume durch und ordnet ein, was die CADR-Angabe aus dem Datenblatt in der Praxis wert ist.

Der Ratgeber betrifft ausschließlich die Luft im Raum: Partikelkonzentration, Luftumwälzung, Lautstärke, Kosten. Aussagen über gesundheitliche Wirkungen auf Personen treffen wir nicht.

Schritt 1: Raumvolumen bestimmen

Maßgeblich ist das Luftvolumen, nicht die Quadratmeterzahl: Grundfläche × Deckenhöhe = Volumen in m³. Messen Sie die Fläche der zusammenhängenden Luftmasse – also so weit, wie die Luft ohne geschlossene Türen zirkulieren kann. Abgehängte Decken verkleinern das Volumen, offene Galerien oder Atrien vergrößern es. Bei Zonen, die durch hohe Trennwände abgeteilt sind, rechnen Sie jede Zone einzeln.

  • Beispiel A (Teamraum): 60 m² × 2,6 m = 156 m³
  • Beispiel B (offenes Büro): 180 m² × 2,8 m = 504 m³

Schritt 2: Luftwechsel wählen und CADR ableiten

Die CADR (Clean Air Delivery Rate) gibt in m³/h an, wie viel gereinigte Luft ein Gerät liefert. Teilen Sie sie durch das Raumvolumen, erhalten Sie die rechnerischen Luftwechsel pro Stunde: Bei 2 Luftwechseln läuft die gesamte Raumluft zweimal pro Stunde rechnerisch durch den Filter. Umgekehrt gilt: nötige CADR = Volumen × gewünschte Luftwechsel.

BeispielraumVolumen2 Luftwechsel3 Luftwechsel4 Luftwechsel
A: Teamraum 60 m²156 m³312 m³/h468 m³/h624 m³/h
B: offenes Büro 180 m²504 m³1.008 m³/h1.512 m³/h2.016 m³/h

Welche Zeile Sie wählen, ist eine Planungsentscheidung. Für normale Büronutzung werden häufig zwei bis drei Luftwechsel angesetzt; bei Druckerbereichen, höherer Belegung oder Rauchquellen in der Nähe mehr. Mehr Luftwechsel bedeuten schnellere Partikelreduktion – und mehr Luftstrom, Lärm und Strom. Eine verbindliche Vorgabe für Umluft-Luftreiniger im normalen Büro gibt es nicht. Die einfache Faustregel „Fläche × 5“ entspricht bei 2,5 m Deckenhöhe etwa zwei Luftwechseln; sie ist also eher die Untergrenze. Eigene Zahlen rechnen Sie im CADR-Rechner.

Was die CADR im Datenblatt aussagt – und was nicht

Die CADR wird nach genormten Messverfahren in einem Prüfraum bestimmt (verbreitet sind etwa ANSI/AHAM AC-1 aus den USA und GB/T 18801 aus China; für Haushaltsluftreiniger gibt es außerdem die internationale Reihe IEC 63086). Zwei Einschränkungen sollten Sie im Kopf behalten: Der Wert gilt für die Maximalstufe, und er gilt für den Prüfraum, nicht für Ihr Büro mit Möbeln, Trennwänden und Türen. Planen Sie deshalb Reserve ein, damit die Geräte im Alltag auf mittlerer Stufe laufen können. Bei Geräten ohne CADR-Angabe lässt sich diese Rechnung nicht durchführen – sie fallen für eine belastbare Auslegung aus.

Rechenbeispiel: Welche Geräte passen zu welchem Raum?

Die folgende Tabelle verrechnet CADR-Angaben aus dem Produkttitel der Händlerseite (Herstellerangaben, Maximalstufe) mit dem Beispielraum A (156 m³). Es ist eine Rechnung, keine Messung – und keine Rangliste.

Gerät (Katalog)CADR laut HerstellerRechnerische Luftwechsel in Raum A (156 m³)Rechnerische Luftwechsel in Raum B (504 m³)
Levoit Vital 100S243 m³/h1,60,5
Levoit (bis 54 m²)258 m³/h1,70,5
IDEAL AP30 PRO301 m³/h1,90,6
Coway AIRMEGA JET402 m³/h2,60,8
Winix Zero S410 m³/h2,60,8
Dhyala (Smart WiFi)450 m³/h2,90,9
Xiaomi Smart Air Purifier Elite600 m³/h3,81,2

Ablesen für Raum A: Wer dort zwei bis drei Luftwechsel erreichen will, braucht ein einzelnes Gerät in der 400er-Klasse oder zwei Geräte der 243–258er-Klasse (zusammen rund 500 m³/h, also etwa drei rechnerische Luftwechsel). Ablesen für Raum B: Selbst das stärkste Gerät der Tabelle erreicht allein nur 1,2 Luftwechsel. Für drei Luftwechsel (1.512 m³/h) wären rechnerisch drei Geräte der 600er-Klasse nötig – bei 2.016 m³/h (vier Luftwechsel) vier. Das zeigt, warum bei Flächen dieser Größe oft die Frage ansteht, ob ein Luftreiniger allein das richtige Mittel ist, oder ob eine Lüftungsanlage mit geeigneter Filterstufe die bessere Basis darstellt, die ein Luftreiniger nur ergänzt.

Geräte mit ausgewiesener CADR aus dem Katalog

Die Kennzahlen stammen aus den Produkttiteln und Datenblättern der Hersteller; wir haben sie nicht nachgemessen. Preise sind eine Momentaufnahme.

CADR 410 m³/h (Hersteller)
WINIX Zero S, H13 HEPA-Filter, CADR 410 m³/h

WINIX Zero S, H13 HEPA-Filter, CADR 410 m³/h

273,18 €

Stand 25.10.2026 · inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versand · maßgeblich ist der aktuelle Preis auf Amazon

+ CADR 410 m³/h laut Hersteller
+ H13-HEPA-Filter
+ Laut Titel für große Räume und Büros ausgelegt
- Filterwechsel verursacht laufende Folgekosten
- Herstellerwert gilt für die Maximalstufe
Preis auf Amazon prüfen
CADR 450 m³/h (Hersteller)
Dhyala Luftreiniger, CADR 450 m³/h, Smart WiFi, waschbarer Doppelfilter

Dhyala Luftreiniger, CADR 450 m³/h, Smart WiFi, waschbarer Doppelfilter

109,99 €

Stand 25.10.2026 · inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versand · maßgeblich ist der aktuelle Preis auf Amazon

+ CADR 450 m³/h laut Hersteller
+ Waschbarer Doppelfilter
+ WLAN und AQI-Anzeige
- Filterwechsel verursacht laufende Folgekosten
- Herstellerwert gilt für die Maximalstufe
Preis auf Amazon prüfen
CADR 600 m³/h (Hersteller)
Xiaomi Smart Air Purifier Elite (laut Hersteller bis 125 m², CADR 600 m³/h)

Xiaomi Smart Air Purifier Elite (laut Hersteller bis 125 m², CADR 600 m³/h)

+ CADR 600 m³/h laut Hersteller
+ Auto-Modus mit PM2.5/PM10-Sensoren
+ App-, Alexa- und Google-Steuerung
- Xiaomi-Konto für App-Funktionen nötig
- Höherer Anschaffungspreis
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CADR 258 m³/h (Hersteller)
Levoit Luftreiniger mit HEPA Luftfilter, CADR 258 m³/h, bis zu 54 m²

Levoit Luftreiniger mit HEPA Luftfilter, CADR 258 m³/h, bis zu 54 m²

127,49 €

Stand 25.10.2026 · inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versand · maßgeblich ist der aktuelle Preis auf Amazon

+ CADR 258 m³/h laut Hersteller
+ Automatikmodus mit Luftqualitäts-Sensor
+ Schlafmodus für leiseren Betrieb
- Filterwechsel verursacht laufende Folgekosten
- Für Teamräume eher als Mehrgeräte-Lösung geeignet
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Schritt 3: Geräte auf die Fläche verteilen

Die Rechnung liefert die Gesamtleistung – wie sie verteilt wird, entscheidet über die Praxis. In einer offenen Fläche ohne Hindernisse kann ein starkes Gerät zentral stehen. Sobald Trennwände, Regalwände oder Aktenschränke die Fläche gliedern, werden Zonen einzeln versorgt: Je Zone ein Gerät mit mittlerer Leistung ist dann meist stimmiger als ein einzelnes Gerät auf hoher Stufe am Rand. Drei Punkte aus der Praxis:

  • Freier Ansaug und Ausblas: Abstand zu Wand, Vorhängen und Möbeln, wie in der Anleitung des Herstellers vorgesehen. Ein Gerät hinter dem Schrank rechnet sich nur auf dem Papier.
  • Abstand zu lauten Zonen und Mikrofonen: Der Lüfter hört sich im Videocall anders an als im Datenblatt. Ein Platz mit etwas Abstand zu Telefon- und Callzonen vermeidet Diskussionen.
  • Leitungsführung und Stolperkanten: Netzkabel nie quer durch Laufwege legen. In Gewerberäumen gelten zusätzlich die betrieblichen Vorgaben zur Elektrosicherheit (wiederkehrende Prüfung ortsveränderlicher Geräte).

Lautstärke: Wie viel Geräusch ist im Büro vertretbar?

Die Technische Regel ASR A3.7 „Lärm“ nennt für Tätigkeiten mit hoher Konzentration oder hoher Sprachverständlichkeit (etwa Konferenzräume, Softwareentwicklung) einen Beurteilungspegel von höchstens 55 dB(A), für mittlere Anforderungen wie Sachbearbeitung 70 dB(A); Zuschläge für Impuls-, Ton- oder Informationshaltigkeit erhöhen den Beurteilungspegel. Dieser Beurteilungspegel umfasst alle Geräusche am Arbeitsplatz – normale Sprache überschreitet 55 dB(A) bereits –, das Dauergeräusch der Luftreiniger sollte deshalb deutlich darunter bleiben. Die Dauer-Geräusche mehrerer Luftreiniger summieren sich allerdings: Zwei gleich laute Geräte sind rund 3 dB lauter als eines. Herstellerangaben in dB sind selten direkt vergleichbar, weil Messabstand, Stufe und Messverfahren variieren – prüfen Sie nach der Aufstellung mit einem Schallpegelmesser (es gibt Apps, die für eine grobe Orientierung genügen). Den verbindlichen Text der ASR finden Sie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA); für eine förmliche Beurteilung gehört die Messung in Fachhände. Mehr zum Lesen von Dezibelwerten: Luftreiniger-Lautstärke verstehen.

Laufende Kosten: eine Beispielrechnung

Stromkosten lassen sich ohne Annahmen nicht beziffern, deshalb hier die Rechnung zum Mitrechnen: Watt ÷ 1.000 × Betriebsstunden × Strompreis. Für ein Büro mit 250 Arbeitstagen à 10 Stunden (2.500 Betriebsstunden pro Jahr) und einem angenommenen Strompreis von 0,35 €/kWh ergibt sich je Gerät:

Angenommene Ø-Leistung je GerätkWh pro JahrKosten pro Jahr und Gerät
20 W50 kWh17,50 €
40 W100 kWh35,00 €

Die Leistungswerte sind Annahmen zur Illustration, keine Herstellerdaten – die tatsächliche Leistungsaufnahme steht im Datenblatt Ihres Geräts und hängt von der Stufe ab. Die Filterkosten kommen hinzu und fallen je Gerät an: Bei vier Geräten vervierfachen sich Ersatzfilter und Wartungsaufwand. Rechnen Sie das vor dem Kauf mit den Preisen der Ersatzfilter durch (Folgekosten der Filter, Stromverbrauch berechnen).

Was ein Luftreiniger im Büro nicht leistet

Ein Umluft-Luftreiniger filtert Partikel aus der Raumluft und – mit Aktivkohlestufe – einen Teil gasförmiger Gerüche. Er tauscht keine Luft aus, senkt deshalb weder CO2 noch Feuchte und ersetzt weder Lüften noch eine Lüftungsanlage (für den Frischluftbedarf gilt die ASR A3.6 „Lüftung“). Auch Gase und Dämpfe aus Prozessen am Arbeitsplatz sind Sache der Arbeitsschutz-Organisation, nicht eines Standgeräts: Wo Gefahrstoffe entstehen, gilt die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers. Einen Überblick, wann ein Standgerät im gewerblichen Umfeld reicht und wann nicht, geben wir im Ratgeber Luftreinigung im Gewerbe: Standgerät oder Lüftungstechnik?

Checkliste vor dem Kauf

  1. Volumen jeder Zone berechnen (Fläche × Höhe), Zonen getrennt führen.
  2. Luftwechsel festlegen und nötige CADR je Zone berechnen.
  3. Nur Geräte mit ausgewiesener CADR (m³/h) und angegebener Filterklasse in die engere Wahl nehmen.
  4. Geräteanzahl aus CADR-Summe ableiten – und Reserve einplanen, damit mittlere Stufen reichen.
  5. Lautstärke auf der geplanten Stufe prüfen, Standorte abseits von Call-Zonen festlegen.
  6. Ersatzfilter-Preise und Verfügbarkeit mal Geräteanzahl in die Wirtschaftlichkeit einrechnen.
  7. Wartungsverantwortliche benennen: Wer saugt Vorfilter ab, wer wechselt Filter, wer dokumentiert?

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Luftreiniger brauche ich für ein Großraumbüro?
Das ergibt sich aus der Rechnung, nicht aus einer Pauschale: Raumvolumen mal gewünschte Luftwechsel pro Stunde ergibt die nötige CADR in m³/h. Diese Summe teilen Sie durch die CADR des gewählten Geräts und runden auf. Bei durch Trennwände unterteilten Flächen kommt als zweite Bedingung dazu, dass jede Zone ein eigenes Gerät in der Nähe hat.
Wie viele Luftwechsel pro Stunde sind im Büro sinnvoll?
Eine verbindliche Vorgabe für Umluft-Luftreiniger im normalen Büro gibt es nicht. Als Planungsgröße verwenden viele Ratgeber zwei bis drei Luftwechsel pro Stunde, bei stärkerer Belastung (Drucker, Raucherbereich, hohe Belegung) mehr. Mehr Luftwechsel senken die Partikelkonzentration schneller, erhöhen aber Luftstrom, Lautstärke und Stromverbrauch.
Reicht die Herstellerangabe „bis 50 m²“ für die Planung?
Nur als grobe Orientierung. Die Flächenangabe gilt für eine bestimmte Annahme zur Deckenhöhe und zu den Luftwechseln, die der Hersteller meist nicht nennt. Verlässlicher ist die CADR in m³/h, weil Sie sie selbst mit Ihrem Raumvolumen verrechnen können. Beachten Sie: Die CADR gilt für die Maximalstufe, im Alltag laufen Geräte im Büro meist darunter.
Welche Lautstärke ist im Großraumbüro vertretbar?
Die Technische Regel ASR A3.7 „Lärm“ nennt für Tätigkeiten mit hoher Konzentration oder hoher Sprachverständlichkeit einen Beurteilungspegel von höchstens 55 dB(A), für mittlere Anforderungen 70 dB(A); Zuschläge für Impuls-, Ton- oder Informationshaltigkeit erhöhen den Beurteilungspegel. Das ist ein Rahmen für den Arbeitsplatz insgesamt, kein Komfortziel: Normale Sprache überschreitet 55 dB(A) bereits, das Dauergeräusch der Geräte sollte deutlich darunter liegen. Herstellerangaben in dB sind selten direkt damit vergleichbar, weil Messabstand und Betriebsstufe oft nicht angegeben sind. Prüfen Sie im Zweifel vor Ort mit einem Schallpegelmesser. Den Originaltext der ASR finden Sie bei der BAuA.
Ersetzt ein Luftreiniger das Lüften im Büro?
Nein. Ein Umluft-Luftreiniger filtert Partikel (und mit Aktivkohle manche Gerüche), tauscht aber keine Luft aus und senkt deshalb weder CO2 noch Feuchte. Für den Frischluftbedarf am Arbeitsplatz gilt die Technische Regel ASR A3.6 „Lüftung“; ein Luftreiniger ergänzt Lüften oder eine Lüftungsanlage, er ersetzt sie nicht.
Wo stelle ich die Geräte in einer offenen Bürofläche auf?
Frei stehend, mit Abstand zu Wänden, Schränken und Trennwänden, damit Ansaugung und Ausblasung nicht blockiert werden, und möglichst nicht direkt neben Arbeitsplätzen mit Telefon- oder Videocall-Betrieb. Bei Trennwänden und Regalen ist ein Gerät je Zone meist sinnvoller als ein einzelnes starkes Gerät an der Außenwand.

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